Teherans dilemma

 

Krieg oder Frieden? Um die Krise in Iran zu überwinden, müssten Regierung und Volk zusammenstehen. Doch sie leben in unterschiedlichen Epochen. Das wird nirgendwo deutlicher als in der Hauptstadt. Ein Gastbeitrag.

1. Die Bedeutung der Menschen
Der Präsident der Republik stellte im Rahmen eines Abendessens kürzlich fest: „Wir machen zurzeit die schwerste Zeit seit der Revolution durch. Wir müssen Wege aus dieser Krise finden.“ Noch am selben Abend schien ihm wenige Minuten später folgende mögliche Lösung eingefallen zu sein: „Wenn die Bevölkerung und die Regierung Seite an Seite stehen, kann die Überwindung der Krise gelingen.“ Ist der Landesführung die Bedeutung des Volkes endlich klargeworden? Im vergangenen Jahr hatte Arbeitsminister Ali Rabi’i gesagt: „Es stimmt nicht, dass alle Verantwortungsträger im Land sich unablässig die Bäuche vollschlagen.“ Demnach wissen die Oberen um ihr Ansehen.

Manchmal lassen sich aus der Vergangenheit Lehren ziehen. Iran wurde Ende August 1941 durch die Alliierten von Norden und Süden aus angegriffen, und der damalige Herrscher ging kurz vor der Besetzung Teherans ins Exil. Jahre später schrieb seine Tochter dazu in ihren Memoiren: „Wäre es meinem Vater damals gelungen, auf nur einem öffentlichen Platz der Hauptstadt seine Anhänger zu versammeln, hätte er das Land vielleicht gar nicht verlassen.“

 DOWNLOAD PDF