Amir hassan cheheltan

"Egal, ob man in Deutschland, Kambodscha oder Ruanda lebt – als Kind Krieg zu erleben, ist überall dasselbe," sagt Fotograf Dominic Nahr auf dem 20. Internationalen Literaturfestival Berlin.

Save the Children Deutschland
18 September 2020

Gleich zwölf Siegerinnen kürt der Internationale Literaturpreis in diesem Jahr. Ob es um Siegerjustiz in Bulgarien geht, um das Erdbeben von Haiti oder eine Liebe in Nigeria - in erster Linie kommt es auf die Sprache an.

dw.com
04 June 2020

Mit dem Internationalen Literaturpreis 2020 werden die folgenden sechs Bücher und ihre Autor*innen und Übersetzer*innen ausgezeichnet

Haus der Kulturen der Welt
04 June 2020

Das HKW, die Stiftung Elementarteilchen und die Jury haben sich entschieden, im Ausnahmejahr 2020 nicht ein einzelnes Buch auszuzeichnen, sondern alle sechs Titel der Shortlist gleichermaßen. Statt zwei Preisträger*innen gibt es also zwölf Gewinner*innen: die sechs Autor*innen und sechs Übersetzer*innen der Shortlist.

Das Preisgeld wurde unter den sechs Autor*innen und sechs Übersetzer*innen gleich aufgeteilt. Am 4. Juni wurden die Preisträger*innen in der Sendung Lesart auf Deutschlandfunk Kultur live bekanntgegeben und vorgestellt.

„Diese sechs Bücher zeigen uns die Welt als großen Möglichkeitsraum, in dem nicht alles auf Reproduktionszahlen heruntergerechnet werden kann. Sie zeugen von der großen Vielstimmigkeit der Welt, egal in welcher Sprache geschrieben wird, denn jedes der sechs Bücher hat dank der jeweiligen Übersetzerin, dem jeweiligen Übersetzer einen eigenen Ton und eine ganz eigene sprachliche Gestalt.“ – Die Jury

 

Jurykommentar
Dies ist ein Buch, das sich nicht von den Absteckungen der Zuschreibung „Roman“ beeindrucken lässt. Ein Buch, das auf den Erinnerungen des Autors aufgebaut, also als autobiografisch im weiteren Sinn zu verstehen ist, außer: dass der Autor seine eigene Jugend um 15 Jahre etwa verschoben hat, nämlich in die Zeit der Islamischen Revolution 1978, als er selbst bereits Anfang Zwanzig war. Im Zentrum steht die Literatur, vor allem die klassische persische, aber nicht ihre offizielle Lesart. Sondern ihre subversiven Strömungen, ihre homoerotischen, ihre pornografischen Anteile. Es ist also in mehrfacher Hinsicht ein doppelbödiges Buch, was sich auch in der Sprache spiegelt, die Jutta Himmelreich im Deutschen mal blumig, mal sarkastisch, mal völlig nüchtern übersetzt – eine Coming-of-Age-Story aus Teheran, ein literaturhistorisches Seminar, ein Nachfabulieren althergebrachter Erzählungen, eine Geschichte der historischen Umbrüche und Katastrophen, und das alles in einem Buch, das, wie alle Bücher Cheheltans der vergangenen Jahre, in seiner Originalsprache bis auf Weiteres nicht erscheinen wird.
— Verena Lueken, Jury

 

View Article On HKW

Haus der Kulturen der Welt
04 June 2020